Montag, 20. Mai 2019

Gemeinderat beschließt Angebot auszubauen - ohne zu wissen wie

Kernzeitbetreuung für alle angestrebt

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Ilvesheim, 05. Mai 2014. (red/ms) Kinderbetreuung außerhalb der Schulzeiten ist für viele Eltern eine große Entlastung. Insbesondere berufstätige Paare und Alleinerziehende profitieren von solchen Angeboten. Eine Betreuung für Schulkinder anzubieten, ist keine Pflichtaufgabe für die Gemeinde. Mit den steigenden Kinderzahlen wird es schwierig, dem Bedarf gerecht zu werden. Der Gemeinderat beschloss am Mittwoch, das Angebot auszubauen. Wo die Kinder hin sollen weiß aber noch niemand.

Von Minh Schredle

Wappen IlvesheimIm aktuellen Schuljahr wurden die Betreuungszeiten folgendermaßen festgelegt: Montags bis freitags zwischen 08:30 Uhr und 12:20 Uhr. Wenn es in diesem Zeitraum zu Unterrichtsausfall kommt, hat die Schule für Ersatz zu sorgen. Die Kosten trägt in diesem Fall das Land.

Außerhalb dieser Zeiten bietet die Gemeinde Ilvesheim seit 1991 für angemeldete Kinder eine Kernzeit-Betreuung an. Die Kosten dafür orientieren sich an den Beiträgen, die in den Kindergärten zu zahlen sind und sind nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt.

Keine Pflichtaufgabe für die Gemeinde

Die Betreuung außerhalb der Unterrichtszeiten muss „keinen Erziehungs- oder Bildungsauftrag“ erüllen. Sie soll spielerische und freizeitbezogene Aktivitäten anbieten. Rechtlich gibt es keinerlei verbindliche Vorschriften in Bezug auf Gruppengrößen, Raumgrößen, die Anzahl der Betreuungskräfte pro Gruppe und so weiter. Die Betreuer müssen keine ausgebildeten Fachkräfte sein. Es ist ein freiwilliges Angebot. Theoretisch könnte die Gemeinde jederzeit beschließen, die Betreuung zu beenden.

Im aktuellen Schuljahr werden 187 Kinder in der Kernzeit betreut, eine Warteliste gibt es nicht. Insgesamt gibt es sechs Gruppen, die in der Größe zwischen 22 und 71 Kindern variieren. Die Betreuung findet im Obergeschoss der Mehrzweckhalle statt und in zwei ehemaligen Klassenzimmern des Hauptgebäudes. Neun Mitarbeiter kümmern sich um die Kinder. Zwei weitere bereiten das Essen für rund 80 Kinder vor.

Bedarf steigt deutlich

Im kommenden Schuljahr werden 109 Kinder eingeschult. Deren Eltern – allesamt berufstätige Paare oder Alleinerziehende – wurden angeschrieben. 70 gaben an, eine Betreuung zu benötigen. 41 der Kinder sollen bei der Betreuung ein Mittagessen bekommen.

Voraussichtlich werden nur 35 Kinder die Schule im kommenden Jahr verlassen. Da der Bedarf nach Betreuung deutlich ansteigt, wird es nötig sein, mindestens eine weitere Gruppe einzurichten, wenn man allen Wünschen nachkommen will. Die vorhandenen Räumlichkeiten reichen aber für den angemeldeten Bedarf nicht aus. In den kommenden Jahren wird die Nachfrage durch die hohen Kinderzahlen vermutlich weiter ansteigen, heißt es in der Vorlage.

Kommt eine Warteliste?

Die Alternative zum Ausbau wäre, eine Warteliste einzurichten. Doch das will niemand im Gemeinderat. Ebenso wenig, wie eine Container-„Lösung“. Wo die Kinder untergebracht werden sollen, ist momentan noch unklar. Dennoch beschloss der Gemeinderat einstimmig, das Angebot auszubauen. Die steigenden laufenden Kosten sollen durch eine Anpassung der Beiträge ausgeglichen werden.

Das Ziel, den Bedarf für alle zu decken, ist optimistisch. Die Zeit ist knapp und noch gibt es keine konkreten Ideen für Lösungen. Es bleibt zu hoffen, dass es nach der Wahl am 25. Mai nicht heißt, eine Betreuung für alle, die sie wollen, wäre zwar wünschenswert, aber leider nicht rechtzeitig realisierbar.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.